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Hundetraining-Philosophie · Teil 4

Der mentale Zustand des Menschen – Einfluss auf Lernverhalten und Aufnahmefähigkeit des Hundes

Erinnere Dich an Situationen, in denen Du dachtest, der Hund sei heute „einfach nicht bei der Sache“ oder „er ist heute sehr widerspenstig“. Der gleiche Hund, dieselbe Übung, der identische Ort und trotzdem fühlte es sich jedesmal anders an. Einmal gelingt alles nach Wunsch, am nächsten Tag blockiert alles. Der Fokus war weg, die Reaktion verzögert oder nicht vorhanden, die Verbindung zwischen Dir und Deinem Hund war einfach nicht da.

Du suchst den Fehler beim Hund. Meist ohne Ergebnis, nicht wissend, dass Du in den meisten dieser Momente der verursachende Unterschied bist.

Schau genauer hin. Nicht auf Dein äußeres Verhalten, sondern auf den Zustand, aus dem heraus Du handelst.

Warst Du wirklich präsent und unabgelenkt im Jetzt, im Hier? Oder warst Du bereits von dem Gedanken besetzt, wie das Ergebnis auszusehen hatte, während in Deinem Kopf noch jede Menge Gedanken an Vorhaben und Problemen Euren Weg begleiten?
Wolltest Du, wie so oft, unbedingt bekommen, was sich nicht erzwingen lässt?

Hattest Du Dir immer wieder und wieder die Frage gestellt, was es sei, was Dir im Weg steht?
Hast Du eine Antwort finden können? Nein?

Erkenne zuerst, dass es wichtig ist unterscheiden zu können zwischen dem, was in Deiner Macht steht, und dem, was nicht in Deiner Macht steht.
Was liegt an mir und was nicht? Was kann ich beeinflussen? Was habe ich in der Hand?


An mir liegt mein Urteil, es ist Produkt meines Denkens, meiner Emotionen und meiner Erfahrungen.
Ich kann meinen Impuls, meine Reaktion beeinflussen. Sie sind Ergebnisse meines Denkens und meiner Emotionen.
Ich habe meine innere Haltung in der Hand. Meine innere Haltung entsteht aus der Summe meiner Lebenserfahrungen, deren Verarbeitung, meines Denkens und meiner Emotionen.

Nicht unmittelbar und ausschliesslich liegt an mir der momentane Zustand meines Hundes im jetzigen Augenblick, da ich nur ein Teil seiner Umwelt bin. Aber ich bin der Teil, welcher in seinem Leben präsent und vorherrschend ist.
Wenig bis keinen Einfluss habe ich auf die Umweltreize in der jetzigen Situation und dem Ergebnis daraus in der nächsten Sekunde.

Bleiben wir bei dem, was in unserer Macht steht.

Beobachte Dich bewußt. Wie oft lässt Du es zu, dass Deine Gedanken, Deine Emotionen, Deine Erfahrungen Dich innerhalb der Situation beherrschen und Dich zu Reaktionen und Handlungen bringen, welche ausschliesslich von Deiner Person verursacht werden und nichts mit Dir selbst zu tun haben? Warum lässt Du es also zu, dass Deine Person dies mit Dir tut und demzufolge auch mit Deinem Hund?

Die emotionale Ansteckung

Der Hund liest und erkennt Dich schneller und genauer, als Du Dich selbst interpretieren kannst. Er nimmt Atmung, Muskeltonus, Stimmlage, Geruch und Deinen gesamten energetischen Ausdruck wahr. Was Du für Dich selbst als leichte Ungeduld, kurzes Gereitztsein oder „nur etwas Strenge“ empfindest war für ihn bereits eine klare, spürbare Information, welche ihn beeindruckt oder gar von Dir abbringt.

Erlebe bewußt, wie Dein eigener Zustand Deinen Hund unmittelbar in der Situation verändert. Wenn Du innerlich bereits im nächsten Schritt bist, wenn Du erwartest, dass er „jetzt endlich“ versteht, wenn Du ein Ergebnis erzwingen möchtest, dann verengt sich seine Aufmerksamkeit hin zu einem Alarmzustand. Er muss nicht nur die Übung, also unsere Handlungsinformation versuchen zu verarbeiten, sondern gleichzeitig Deinen Zustand interpretieren und daraufhin seinen Zustand regulieren. Sein Nervensystem synchronisiert sich mit Deinem. Der Aufregungslevel steigt, die Entspannung sinkt. Was daraufhin wie Ungehorsam oder mangelnde Motivation aussieht, ist oft schlicht Überlastung und demzufolge eine Art Notabschaltung mangels Fluchtmöglichkeit.

Jörg Ulbricht

Eckhart Tolle beschreibt Hunde als „Wächter des Seins“. Sie leben noch vor dem konzeptuellen Denken. Sie haben keine Meinung über Dich, kein Bild von dem, wie Du sein solltest. Sie sind im Jetzt. Und genau deshalb spiegeln sie so unerbittlich, wenn Du nicht bewusst und mit voller Aufmerksamkeit im Jetzt bist. Wenn Dein Geist voller Geschichten ist im Sinne von: „Heute klappt es wieder nicht“, „Er testet Dich“, „Das müsste er schon längst können“, dann begegnest Du dem Hund nicht als Präsenz des bewußten Jetzt, sondern vielmehr als druckvoller, unangenehmer mentaler Lärmkörper, als Gesamtheit Deines Lebens, Deiner Erfahrungen und Deines Traumas, welchem sich Dein Hund nur durch Blockade, Flucht, Abwehr, Frusthandlung oder Aphatie entziehen kann. Ausblenden kann es der Hund jedoch nicht.

Emotionale Ansteckung ist keine Schwäche des Hundes. Sie ist seine Stärke und zugleich Deine Aufgabe und Verantwortung. Dein Hund kann nicht entscheiden, Deinen Zustand zu ignorieren, um besser zu lernen. Er ist darauf angewiesen, dass Du Deinen Zustand ordnest, damit er lernen und neben Dir leben kann.

Jedes Mal, wenn Du merkst, dass Du beginnst das Ergebnis erzwingen zu wollen, halte inne.

Frage Dich in dem Momengt: Liegt das, was Mich gerade antreibt in meiner Macht? Oder versuche Ich etwas zu steuern, das nicht in meiner Macht steht?

Trenne Dich von Konstrukten des Wollens, des Erzwingens und der Emotionen hin zu einem Gehen auf einem Weg, Schritt für Schritt. Bleibe beweglich und akzeptiere gelassen jedes Ergebnis eines jeden Schrittes. Passe Deine Handlung und beobachte Deine Optionen. Die innere Anspannung lässt nach.

Du akzeptierst den Hund so, wie er in diesem Moment ist. Nicht als Problem, das gelöst werden muss, sondern als das, was und wie er gerade ist.

Ich sage Dir:
„Akzeptiere des Jetzt und handle bewußt. Was auch immer der gegenwärtige Moment bringt, nimm es an, als hättest du es selbst geschaffen. Alles andere ist ein Traum.“

Jörg Ulbricht

Hab keine Angst. Diese Annahme ist keine passive Haltung. Im Gegenteil, sie ist die aktive Voraussetzung dafür, dass in Dir echte, aufmerksame Präsenz entsteht, welche Deinen Hund wieder zu Dir führt.
Dein Hund wird wieder aufnahmefähig. Nicht weil Du besser trainierst, sondern weil Euer gemeinsamer Resonanzraum friedvoll geworden ist. Deine Signale werden präziser und verständlich, das Timing ruhiger und nachvollziehbar, die Verbindung zwischen Dir und Deinem Hund entwickelt sich. Dein Hund folgt nun nicht weil er muss, sondern weil Du ihm Orientierung und Führung gibst.

Deine Arbeit beginnt nicht beim Hund. Sie beginnt bei Dir und mit Dir selbst. Bevor Du an Deinen Hund gehst, die Leine in die Hand nimmst, bevor Du ein Signal gibst, stelle Dir immer die Frage nach Deinem Zustand. Bist Du im Hier und Jetzt? Oder bist Du in der Welt Deines Denkers und somit getrennt von Deinem Hund und Dir selbst?

Der Hund ist Dein unbestechlicher Lehrer und Spiegel in dieser Unterscheidung. Er zeigt Dir in jedem Moment, ob Dir Dein Lernen gelungen ist oder nicht. Er zwingt Dich zur Präsenz, weil er selbst nichts anderes kennt. Nicht den Hund zu verändern ist der erste Schritt, sondern den Raum zu schaffen, in dem Lernen möglich wird.

Du möchtest diesen Weg mit Deinem Hund oder auch nur mit Dir selbst gehen? Wir unterstützen Dich gern dabei.

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