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Wildnisphilosophie · Teil 2

Warum wir nichts finden solange wir auf der Suche sind

Wildnisphilosophie · Teil 2

Warum wir nichts finden solange wir auf der Suche sind

Wer losgeht, um etwas zu finden, findet meistens nichts. Er sucht ein bestimmtes Tier, eine bestimmte Pflanze, ein bestimmtes Bild im Kopf, ein Ergebnis mit seinem Hund, einen Erfolg als Bedingung, Vorstellungen, welche er mitgebracht hat. Natur und Glück aber zeigen sich nicht dem, der danach abfragt. Sie zeigen sich dem, der ohne Erwartung den jetzigen Schritt geht.

Das ist keine Mystik. Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit.

Suchen ist Wollen. Wahrnehmen ist ankommen lassen.

Solange Du auf der Suche bist, gehst Du mit einem Bild der Erwartung im Kopf los und gleichst alles was Dir passiert mit diesem Bild ab. Damit nimmst Du Dir die Chance, dass die Dinge kommen, welche Dich und Deinen Weg mit guter Energie versorgen. Ein Mensch, der einen Fuchs sucht, übersieht die Eule. Ein Mensch, der eine bestimmte Blüte sucht, übersieht die Fährte direkt neben seinem Fuß.

Sehen funktioniert anders. Sehen bedeutet, ohne Erwartungen anzukommen und ohne Wertung aufzunehmen, was tatsächlich ist. Das klingt einfach, ist es aber für die meisten Menschen nicht. Wir wurden trainiert jeden Tag mit Erwartungen, Bildern, Zielen und Erfolgsvorgaben durch die Welt zu gehen. Wir suchen das nächste tolle Foto, die extreme Nachricht, das nächste erfolgversprechende Ergebnis. Diese Haltung nehmen wir, wenn wir rausgehen, ohne es zu merken und ohne zu wissen, dass die Natur so nicht funktioniert.

Was wir als Kinder noch konnten

Beobachte Dich, als Du noch ein kleines Kind auf einer Wiese warst. Erinnere Dich. Du suchtest nicht. Du hast gesehen und gestaunt. Ein Käfer, ein Stein, eine Pfütze, alles bekam die ungeteilte Aufmerksamkeit, weil noch keine Hierarchie von wichtig und unwichtig, von Erfolg und Bewertung in Dir entstanden war. Genau diese Wahrnehmung und dieses Bewusstsein verlieren wir mit den Jahren, weil wir lernen mussten, effizient zu sein um erfolgreich zu wirken. Unser Weg wurde zur Jagd nach Zielen hinter dem Horizont.

In unserer Arbeit mit Kindern und Erwachsenen sehen wir diese Entwicklung täglich und über lange Zeiträume. Sobald jemand aufhört wahrzunehmen und im Jetzt zu sein, fängt er an, nach etwas Bestimmten zu suchen, ohne jemals Glück zu erfahren.

Die Falle der Zielgerichtetheit

Ein Ziel zu haben ist nicht falsch. Ein Ziel kann sogar helfen, überhaupt erst loszugehen. Problematisch wird es, wenn das Ziel zum Fokus wird, durch die Du die Welt betrachtest. Dann filtert Dein Verstand alles heraus, was nicht zum Ziel passt und Du hast keine Chance mehr, die Blume am Wegrand zu sehen oder gar einen neuen, besseren Weg einzuschlagen.

Was das mit Deinem Alltag zu tun hat

Fähigkeiten der Wahrnehmung enden nicht am Waldrand. Ein Mensch, der gelernt hat wahrzunehmen statt erwartend zu suchen, nimmt mehr Informationen wahr, bleibt entspannter, ist beweglicher. Er bemerkt die Veränderung sobald sie eintritt. Er agiert und bleibt frei in sich selbst. Wahrnehmung ist keine Fähigkeit, die man nur in der wilden Natur braucht. Sie ist ein Grundwerkzeug, welches essentiell ist.

Wie man die Kunst der Wahrnehmung wieder in sich entstehen lassen kann, welche Schritte dabei helfen, alte, beschwerende Gewohnheiten abzulegen, das ist eine Frage des Wollens und der kontinuierlichen Übung.

Wer diesen Weg gehen möchte kann sich gern an uns wenden.

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